Thorsten Schneider

Arbeitsmarkt-Analyse 2017: Internet-Experten sind gefragt wie nie zuvor

von Thorsten Schneider am 2. Juni 2017, in Infos aus dem Verband

Zusammenfassung

Der Arbeitsmarkt für IT-Spezialisten allgemein ist für Bewerber weiterhin ausgesprochen günstig. Über 51.000 Stellen sind dem Branchenverband Bitkom zufolge aktuell zu besetzen [1].

Die Agentur für Arbeit ermittelte 2016 ein Plus von 19% gegenüber dem Vorjahr, insgesamt sind der Agentur 13.500 offene Stellen gemeldet. Im Vergleich zum Durchschnitt ist die Anzahl der sozialversicherungspflichtig und unbefristet Beschäftigten bei den IT-Fachkräften höher als in anderen Branchen. Der Arbeitsmarkt für IT-Fachleute ist stabil [2].

„Der Arbeitsmarkt für IT-Fachleute hat sich 2016 sehr gut entwickelt. Nach wie vor gibt es nur wenig Arbeitslose mit IT-Berufen. Die Nachfrage nach IT-Fachkräften bewegt sich auf Höchstniveau, und auch der Beschäftigungsstand ist so hoch wie nie“ heißt es in der Publikation Blickpunkt Arbeitsmarkt: IT-Fachleute (April 2017) [2].

In dieser Analyse haben wir den Arbeitsmarkt für Internet-Fachkräfte eingehend betrachtet. Die Gruppe der Web-Entwickler sowie Online-Marketing-Spezialisten teilen sich weiterhin die ersten Plätze bei der Anzahl der offenen Stellen. Dieses Jahr fällt das Wachstum im Vergleich zum Vorjahr in der Job-Role-Analyse mit +6% für Online Marketing-Berufe und einem Plus von 17% für Web-Entwickler etwas geringer aus als im Vorjahr. Die Nachfrage nach Social Media-Experten steigt weiterhin steil an (+45%).

Ein Wachstum verzeichnet auch die Gruppe der „Projektmanager Online“ mit einem Plus von 51%. Beachtenswert ist auch die steigende Nachfragen nach „Scrum-Masters“ für das agile Management von Webprojekten (+32%).

Die Nachfrage nach JavaScript-Entwicklern explodiert förmlich und weist in der Job-Role-Analyse mit +51% das höchste Plus aller betrachteten Job Roles überhaupt aus, während PHP-Entwickler (-13%) etwas weniger oft gesucht werden als vor einem Jahr.

Die Ergebnisse der Skillset-Analyse zeigen u.a., dass Webdesigner neben HTML5 und CSS über solide JavaScript-Kenntnisse verfügen sollten und der Trend in Richtung eines Front-End-Entwicklers geht. Reine Interface-Designer, die nicht über Programmierkenntnisse verfügen, werden weniger stark nachgefragt.

Den Anforderungsprofilen ist zu entnehmen, dass als Grundlage ein Studium oder eine vergleichbare Ausbildung gewünscht wird. Jedoch wird auch talentierten Quereinsteigern mit soliden Fachkenntnissen und Bewerbern mit fundierter Berufserfahrung nach Quereinstieg eine Chance gegeben. Aktuelles Wissen, fundierte Kenntnisse und Lernbereitschaft werden überall vorausgesetzt.

Ergebnisse für »Job Roles« (Suche bundesweit, Suche nur im Titel der Stellenanzeigen)

Job Roles

Fachgebiet Web Business/Online Marketing

Im Bereich Web Business/Online Marketing sind fundierte Kenntnisse in allen Disziplinen des digitalen Marketings gefragt. Besonders hoch im Kurs sind, wie schon im letzten Jahr, Social Media und SEO.

Zunehmend werden auch Kenntnisse im Bereich Webanalyse gefordert. Hier werden neben den einschlägig bekannten Tools wie z.B. Google Analytics vermehrt auch Open Source-Anwendungen wie Piwik nachgefragt, wahrscheinlich aufgrund gestiegener Sensibilität im Bereich der Datensicherheit.

Skillsets Web Business Management

Fachgebiet Webdesign

Webdesigner/innen sollten 2017 das sog. responsive Design beherrschen und mindestens eine Skriptsprache für das WWW in ihrem Qualifikationsprofil angeben können. Neben den Standards HTML5 und CSS sind Erfahrungen mit JavaScript und häufig auch PHP bei den Arbeitgebern begehrt. Oft findet sich ein Nachsatz wie „PHP-Kenntnisse sind wünschenswert“. In vielen Anforderungsprofilen ist die Grenze zum Berufsprofil „Web-Entwickler“ fließend, häufig werden „Front-End-Entwickler“ mit fundierten Programmierkenntnissen gesucht.

Oft werden zusätzliche Kenntnisse aus dem Bereich Online Marketing, Konzeption und SEO erwartet, etwa das Erstellen von Informationsarchitekturen, Conversion-Optimierung, SEA und Web Analytics. Webdesigner/innen sollten ihr Qualifikationsprofil entsprechend den Anforderungen überprüfen und ggf. durch Fortbildungen ergänzen.

Skillsets Web Design

Fachgebiet Web Development

Für Web-Entwickler/innen steht JavaScript mit etwa 7.000 Nennungen auch 2017 an erster Stelle. Mit deutlichem Abstand folgen Java, Python und PHP. Die Nachfrage nach Kompetenzen in den Programmiersprachen Java- und Python ist stabil, während die Nachfrage nach PHP-Know-how leicht rückläufig ist.

Bei den Programmier-Frameworks verzeichnet das PHP-Framework Symfony mit +121% den stärksten Zuwachs. Auch das PHP-Framework ZEND liegt stark im Trend (+50%), während Ruby-on-Rails auf dem absteigenden Ast ist (-54%).

Bei den Content-Management-Systemen ist Typo3 dieses Jahr rückläufig (- 46%). Auch Wordpress hat etwas an Bedeutung verloren und verzeichnet ein Minus von 29%, wird jedoch in den Stellenangeboten bundesweite noch 323-mal aufgeführt. Joomla und Drupal finden sich auf den hinteren Rängen und scheinen für Arbeitgeber weniger relevant zu sein.

Im Datenbank-Bereich werden weiterhin am häufigsten Kenntnisse in MySQL gefordert, jedoch ist die Nachfrage rückläufig (-46%). Die Nachfrage nach NoSQL-Datenbanken bleibt hingegen stabil. Da der Markt in diesem Bereich stärker segmentiert ist als im Bereich der relationalen Datenbanken, spricht dies für eine zunehmende Bedeutung der NoSQL-Technologie.

Die Projektmethode im Bereich der Web-Anwendungsentwicklung geht in Richtung Effizienz, Wartbarkeit und Automatisierung: DevOps und Clean Code gehören zu den Skills mit dem stärksten Nachfrageplus (+46% bzw. +29%). Weiterhin auf hohem Niveau ist die Nachfrage nach Kompetenzen für die Entwicklung mobiler Apps.

Skillsets Programmiersprachen

Sillsets Frameworks

Skillsets Datenbanken

Skillsets Sonstige Web-Technologien

Skillsets Vorgehensmodelle

Fachbereich Web-Administration

Im Bereich Web-Administration ist der Arbeitsmarkt im Vergleich zu 2016 leicht rückläufig. Linux ist die am häufigsten nachgefragte Kompetenz. Vermutlich verschiebt sich das Berufsprofil des Web-Administrators durch die DevOps-Bewegung zunehmend in Richtung eines Entwicklers mit Kompetenzen im Bereich der System- und Netzwerkadministration und -Sicherheit.

Skillsets Web Administration

Allgemeine Anforderungen an Bewerber

Unsere qualitative Analyse der Stellenausschreibungen in den Online-Jobbörsen ergab, dass von Bewerbern überwiegend folgende allgemeine Einstellungsvoraussetzungen verlangt werden:

  • Sehr oft ein Studium, v. a. bei Marketing-Experten und im Projektmanagement. Bei Entwicklern und Designern wird in der Regel ein Studium, eine Aus- oder Weiterbildung im jeweiligen Fachgebiet »oder vergleichbare Kenntnisse« verlangt.

  • Fach- und Methodenkompetenz der aktuellen Technologien. Nachweis der Methodenkompetenz durch Zeugnisse, Zertifikate, Projekterfahrung oder Arbeitsproben.

  • Sehr gute Deutsch- und in der Regel auch Englischkenntnisse.

  • Häufig wird mehrjährige Berufserfahrung erwartet, interessanterweise am häufigsten bei den Social Media Managern.

  • Bei den sog. Softskills werden fast immer überdurchschnittliches Engagement, Kreativität, Teamfähigkeit, lösungsorientiertes und selbstständiges Arbeiten erwartet.

Diskussion

In diesem Jahr schätzt der Branchenverband Bitkom die unbesetzten Stellen in der ITK-Branche auf ca. 51.000. Das bedeutet einen Anstieg von 20% innerhalb eines Jahres [1].

Eine Studie der Prüfgesellschaft Dekra hat ergeben, dass sich ca. jedes 10. Stellenangebot an IT-Fachkräfte richtet. Allen voran steht der Bedarf an Software-Entwicklern. Diese belegen im Ranking aller Berufe den 4. Platz. Systemadministratoren sind auf den 8. Platz vorgerückt [3].

Dem gegenüber stehen ca. 27.600 arbeitslose IT-Fachkräfte. Es ist sogar eine Zunahme der Arbeitslosigkeit zu erkennen [5].

Ein möglicher Grund für den Mangel an Fachkräften und die gleichzeitige Zunahme der Arbeitslosigkeit in der IT-Branche ist, dass die Mehrheit der Unternehmen ihre Mitarbeit nicht oder nur unzureichend weiterbildet [4, 5].

Als mögliche Gründe werden in einer Analyse des ap Verlags genannt, dass die Weiterbildungsangebote zu teuer sind, die Qualität schlecht zu beurteilen ist, ein Überblick über die Angebote fehlt, die Angebote nicht ausreichend auf die Bedürfnisse des Unternehmen zugeschnitten sind, und die Unternehmen nicht auf die Arbeitskraft der Mitarbeiter, die weitergebildet werden, verzichten können oder wollen [4].

Die Entwicklungen und Veränderungen in der ITK-Branche erfolgen sehr schnell. Wer z.B. durch eine zu starke Spezialisierung oder durch Ausfallzeiten nicht „am Ball“ bleiben kann, verliert schnell an Attraktivität auf dem Arbeitsmarkt.

Aus- und Weiterbildung findet gerade im Bereich der Internet-Branche, in der sich die Technologien rasant weiterentwickeln, immer noch viel zu wenig statt. Die Selbstregulation des Marktes scheint an dieser Stelle zu versagen. Unternehmen und Mitarbeiter sollten wesentlich stärker in Weiterbildung investieren. Um das zu erreichen, müssen wohl für Unternehmen, ihre Mitarbeiter und vor allem auch für interessierte Quereinsteiger noch deutlich mehr Anreize für Weiterbildung geschaffen werden.

PDF-Download:

Die Analyse können Sie hier zum Ausdruck downloaden.

Referenzen

  1. https://www.bitkom.org/Presse/Presseinformation/51000-offene-Stellen-fuer-IT-Spezialisten.html
  2. Blickpunkt Arbeitsmarkt: IT-Fachleute. Bundesagentur für Arbeit, April 2017.
    Download: https://statistik.arbeitsagentur.de/Statischer-Content/Arbeitsmarktberichte/Akademiker/generische-Publikationen/Broschuere-Informatik-2016.pdf
  3. DEKRA Arbeitsmarkt-Report 2016 Special IT-Fachkräfte.
    Download: http://www.dekra.de/c/document_library/get_file?uuid=d70bd9c1-e0c2-4af0-9657-ddb0a53c2235&groupId=10100
  4. http://ap-verlag.de/digitalisierung-schafft-neue-jobs-fuer-fachkraefte/25706/
  5. http://www.itk-igmetall.de/?nid=1407&q=&a=

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