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IT-Arbeitsmarkt-Analyse 2015: Viele offene Stellen für Internet-Experten

von Monika Beck am 26. Mai 2015, in Infos aus dem Verband

Einmal im Jahr (Ende April/Anfang Mai) führt Webmasters Europe e.V. eine  Arbeitsmarktanalyse durch, um Trends auf dem Arbeitsmarkt für Internetspezialisten zu ermitteln. Über eine Meta-Suchmaschine fragen wir die Häufigkeit von bestimmten Suchbegriffen/Kombinationen in Stellenanzeigen ab und führen in Stichproben eine qualitative Analyse durch (welche Kompetenzen werden auf dem Arbeitsmarkt für bestimmte Tätigkeitsprofile erwartet?).

Dadurch möchten wir sicherstellen, dass unser Zertifzierungs- und Ausbildungsprogramm den Anforderungen des Arbeitsmarktes entspricht.

Fazit: Der Arbeitsmarkt für Internetexpert/innen ist günstig

Es gibt weiterhin eine hohe Zahl an offenen Stellen im Internet-Bereich, wie schon im Vorjahr und im Jahr 2013. Das bestätigen auch die Konjunktur-Prognose des  Branchenverbandes Bitkom (für die ITK-Branche insgesamt) [1], das Freelancer-Portal Gulp [2] und – nicht zuletzt – die Zahlen der Agentur für Arbeit[3]. Allerdings stellt der Arbeitsmarkt hohe Anforderungen an die Bewerber/innen und erwartet durchwegs Kenntnisse auf dem aktuellsten Stand.

Web-Entwickler/innen sind gefragt

Gegenüber 2014 nochmals eindeutig gestiegen ist die Nachfrage nach qualifizierten Web-Entwickler/innen. Sehr gefragt bei den Programmiersprachen sind - wenig überrraschend - Kenntnisse in Javascript (ca. 8.800 Nennungen insgesamt, +13%) und in PHP (leicht rückläufig). Auch die Programmiersprache Python wird – wie schon im Vorjahr beobachtet – häufig genannt und stärker nachgefragt, allerdings ist der Bedarf hier insgesamt niedriger (1590 Nennungen, +17%).

Trends im Bereich Web-Entwicklung

Der Shooting Star unter den Frameworks ist AngularJS (+249%). Aber auch für die PHP-Frameworks Zend und Symfony (+14%, +25%), für PhoneGap (+43%) und Ruby on Rails (+54%) zeigt die Kurve steil nach oben. jQuery wird geringfügig weniger nachgefragt, bei allerdings hohen absoluten Werten.

Ohne Content-Management-Systeme geht ebenfalls nichts mehr. Typo3 behauptet sich an erster Stelle (949 Nennungen, +22%), aber Wordpress holt auf (+41%)  und hat Joomla und Drupal weit überrundet. 

Auch NoSQL-Datenbanken werden immer häufiger nachgefragt. An erster Stelle ist hier MongoDB zu nennen (+58%). Die absoluten Zahlen verraten allerdings, dass dies immer noch ein Nischenmarkt ist (MySQL wird ca. 3.000 Mal als Anforderung genannt, zehnmal so häufig wie MongoDB).

Scrum im Portfolio zu haben, kann sich für Bewerber ebenfalls auszahlen (fast 1.300 Nennungen, +11%). Eine anhaltend hohe Nachfrage besteht außerdem nach Entwicklern mobiler Apps, und hier hat die Nachfrage nach iOS-Entwicklern inzwischen mit der nach Android-Spezialist/innen gleichgezogen (jeweils gut 1.500 Nennungen).


Gute Arbeitsmarkt-Chancen für Online-Marketing-Spezialisten


Im Fachgebiet Web Business/Online Marketing sind v.a. Kenntnisse im Projektmanagement und SEO gefragt (1302 bzw. 1442 Nennungen). Auch Web Analysten werden oft und häufiger als im Vorjahr gesucht (+36%, +26% für das Tool Google Analytics).

Der Social-Media-Hype allerdings scheint vorbei zu sein: Es gibt zwar aktuell ca. 100 offene Stellen konkret für Social Media Manager, mehr als im Vorjahr, der Bereich hat sich also etabliert. Aber die Häufigkeit des Suchbegriffs „Social Media“ in Stellenanzeigen allgemein ist mit -23% regelrecht eingebrochen. Hier haben die Heilserwartungen der Unternehmen offenbar einer nüchterneren Einschätzung Platz gemacht.

Bei den Web-Designer/innen fällt v.a. auf, wie häufig die Themen Usability, User Experience und Interface Design als Anforderungen genannt werden, mit teils hohen Steigerungsraten gegenüber dem Vorjahr. Außerdem werden wie überall topaktuelle Kenntnisse gefordert, bei den Designer/innen natürlichHTML5, CSS3 und Responsive Design mit den entsprechenden Tools und Frameworks wie LESS oder Bootstrap.
Sehr häufig erwartet der Arbeitsmarkt auch von Web-Designern solide Kenntnisse in Javascript. Die Nachfrage nach Flash dagegen ist  – wie schon im Vorjahr festgestellt – eindeutig rückläufig.

Für Linux-System- und Netzwerkadministratoren ergab sich - bei Verschiebungen innerhalb der einzelnen Linux-Distributionen - gegenüber dem Vorjahr keine nennenswerte Veränderung; die Zahl der Nennungen liegt mit 3465 knapp über  dem Vorjahreswert.

Fachkräftemangel?

Seit Jahren spricht die Bitkom von ca. 40.000 fehlenden Fachkräften im IT-Sektor [4], ein Mangel, den v.a. die KMU zu spüren bekommen. Besonders die Software-Hersteller und IT-Dienstleister suchen Personal. Allein hier gab es (Nov. 2014) über 14.000 offene Stellen. Den Unternehmen mit unbesetzten Stellen fehlten v.a. Software-Entwickler (in 71% der Betriebe), Fachleute für Cloud Computing und Big Data (53 bzw. 44%), für den Bereich Social Media (34%), zur Entwicklung von klassischen Web-Präsenzen (28%) und App-Entwickler (26%).

Wer auf Jobsuche ist, sollte sich aber nicht nur bei den IT-Unternehmen selbst, sondern auch in den sog. Anwendungsbranchen umsehen. Hier gab es weitere 24.500 freie Stellen, es wurden v.a. Admins und Anwendungsbetreuer und – wenig überraschend –  gegenüber dem Vorjahr vermehrt Softwareentwickler gesucht.[4]

Die Arbeitsmarktsituation für Internet-Experten ist also insgesamt weiterhin sehr gut; vor allem Start-Ups und kleinere Unternehmen können offene Stellen oft nicht besetzen, u.a. weil Großunternehmen häufig die lukrativeren Gehälter zahlen.

Hohe Anforderungen, aktuelle Kenntnisse nötig

Nach wie vor haben gut ausgebildete Internetexperten also gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Die Anforderungen sind allerdings hoch und steigen weiter. Quereinsteiger mit einer Schmalspur-Ausbildung oder Bewerber mit veralteten Kenntnissen haben zunehmend Schwierigkeiten. Vor allem größere Unternehmen stellen bereits jetzt vorwiegend Hochschul- oder Fachhochschul-Absolventen ein, ein Trend, der sich in den nächsten Jahren voraussichtlich eher noch verstärken wird.[5] An einer soliden Ausbildung führt also kein Weg vorbei.

Arbeitsmarktpolitik und Weiterbildung

Die Dauer von geförderten Weiterbildungsmaßnahmen ist seit Jahren rückläufig und liegt – wenn überhaupt - in der Regel nur noch bei maximal 6 Monaten. Eine fundierte Ausbildung für Quereinsteiger ist damit kaum mehr möglich.

Umschulungsmaßnahmen mit Berufsabschluss, z.B. Fachinformatiker, dauern dagegen mit durchschnittlich zwei Jahren sehr lange und vermitteln nicht die in der Internetbranche gesuchten Kompetenzen. Außerdem sind sie gerade für ältere Quereinsteiger nicht attraktiv.

Wünschenswert wären qualitativ hochwertige Weiterbildungen mit einer Dauer von mindestens 12 Monaten, in denen auch Quereinsteiger fundiert ausgebildet werden könnten. Allerdings sind solche Bildungsangebote selten zu finden und werden noch seltener gefördert.

Nicht sehr gut sieht es auch bei den Zuschuss-Programmen von Bund und Ländern für selbstfinanzierte Bildungsvorhaben aus, für den Fall also, dass Angestellte oder Selbstständige ihre Weiterbildung selbst in die Hand nehmen. So z.B. bei der Bildungsprämie des Bundes, die Beschäftigte in Anspruch nehmen können, deren zu versteuerndes Einkommen bei maximal 20.000 Euro pro Jahr liegt (40.000 bei Verheirateten). Hier werden seit Juli 2014 nur noch Kurse bezuschusst, die max. 1.000 Euro kosten. Die Begründung dafür ist ausschließlich verwaltungstechnischer Natur – das Angebot soll sich von dem der Bundesländer ausreichend unterscheiden.

In den Ländern sind die Förderprogramme allerdings teilweise ausgelaufen und es ist unklar, ob und wann sie fortgeführt werden können (Sachsen-Anhalt, Sachsen) oder sie haben eine Neuausrichtung erfahren (NRW oder Hessen, wo der Schwerpunkt künftig bei der Nachqualifizierung von Beschäftigten ohne Berufsabschluss liegen wird), oder es hat sie nie gegeben, wie in Baden-Württemberg oder Bayern.

In Hamburg und in NRW kann es allerdings Zuschüsse von bis zu 2.000 Euro geben, und im Augenblick (Mai 2015) stehen in einigen Bundesländern Neuauflagen der Förderprogramme an. Eine Recherche ist also unbedingt zu empfehlen; zur ersten Orientierung in diesem unübersichtlichen Gelände dient ein Infodokument der Stiftung Warentest.[6]

Details und mehr Zahlen finden Sie im PDF: Arbeitsmarktanalyse 2015.


Referenzen

1. http://www.itk-igmetall.de/itk-sektor/itk-arbeitsmarkt.html?nid=1306&q=&a=
2. https://www.gulp.de/presse/pressemitteilungen/gulp-projektmarktindex-verzeichnet-rekordwerte.html
3. https://statistik.arbeitsagentur.de/Navigation/Statistik/Statistische-Analysen/Analytikreports/Zentral/Monatliche-Tabellenhefte/Arbeitsmarkt-nach-Branchen-nav.html
4. https://www.bitkom.org/de/presse/81149_80733.aspx
5. http://www.berufsstart.de/unternehmen/branchen/information-telekommunikation/verband.php
6. https://www.test.de/Weiterbildung-finanzieren-Diese-Foerderprogramme-gibt-es-1740203-0/

Kommentare (2)

von MarcoE

am Montag, 07. Dezember 2015, 12:02 Uhr

Guter Artikel, vielen Dank!

Wie auch hier beschrieben: von Jahr zu Jahr steigen die Erwartungen und Anforderungen von Arbeitgerseite. Das wäre auch kein Problem, gerade im IT-Sektor: wenn man gut sein möchte, muss man mithalten können - täglich gibt es was Neues, alles wird weiterentwickelt. Allerdings gibt es dann keinen Ausgleich mehr: die meisten Arbeitgeber erwarten, dass man bis 9-10 Uhr im Büro sitzt: bezahlen? Eher nicht!
Es gibt viele offenen Stellen, da niemand lange an dem gelichen Arbeitsplatz bleibt - schon nach paar Monaten kann man nicht mehr! Ich habe vor nicht so langem zu
<a href="https://www.qloc.de/">QLOC</a> gewechselt und endlich bin ich zufrieden. Gutes Geld, gute Arbeitsatmosphere, nette Kollegen. Und man hat nicht das Gefühl, dass man ausgenutzt wird. Ich glaube aber, dass dies eher die Ausnahme ist....

von Monika Beck

am Dienstag, 08. Dezember 2015, 16:56 Uhr

Hallo Marco,

danke für deinen Kommentar und herzlichen Glückwunsch zu deinem Job, der ja offenbar "passt".

Ich stimme dir zu: Nicht alle Unternehmen kommen auf die Idee, dass sie in ihre Mitarbeiter investieren könnten. Aber auf uns rollt ein wirklich gigantischer demografischer Wandel zu; ich denke, der wird auch diesen Bereich kräftig durcheinanderwirbeln.

Wir haben eine lange, lange Phase hoher Arbeitslosigkeit hinter uns; da sind die Sitten auf dem Arbeitsmarkt mancherorts ein wenig verwildert. Aber wenn die verfügbare work force schrumpft, werden die Karten - vermute ich mal - neu gemischt.

Viele Grüße & weiterhin frohes Schaffen
Monika

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