Web Administrator

Berufsbezeichnung / Kurzbeschreibung

Inhalt

Ursprung und Entwicklung

Web-Administratoren (auch Webadministrator/innen) oder kurz Web-Admins sind für die technische Infrastruktur hinter den Internetauftritten verantwortlich. Dies umfasst z. B. Hosting, Nutzerverwaltung, Konfiguration von Serverplattformen auf Windows- oder Linux-Basis und den Betrieb von Webservern (Microsoft, Apache, nginx u.a.) und Datenbankservern (MySQL, Postgres, Oracle etc.). Weiterhin zählen zu den Aufgaben eines Web-Admins alle Aspekte der Sicherheit (z. B. SSL-Zertifikats-Verwaltung, Datenschutz, Mechanismen zum Schutz vor Hackerangriffen, Firewalls etc.) und Stabilität, Performance-Tuning, DNS- und Domain-Einrichtung und das Setup von z. B. Content-Management- und/oder Shopsystemen. Meistens umfasst das Tätigkeitsfeld auch die Auswahl und Zusammenarbeit mit Internet-Providern und externen Dienstleistern sowie nicht selten auch Bereitschaftsdienste außerhalb der üblichen Arbeitszeiten wie z. B. Wartungsarbeiten, Fehlerüberprüfung und Abwehr von Hackerangriffen.

Ihre Kernaufgabe ist, die Leistungsfähigkeit, Erreichbarkeit, Stabilität und Sicherheit von Websites und Webanwendungen zu garantieren und die Webserver bzw. Serverlandschaften in ihrer Verantwortung an die wachsenden Anforderungen anzupassen. Wie an dieser Aufzählung erkennbar wird, nimmt die Komplexität der Anforderungen stetig zu so dass auch immer mehr spezialisierte Berufsbilder wie z. B. die des Datenbankadministrators entstehen. Wir beziehen uns im Folgenden auf die wichtigsten Hauptanforderungen dieses Berufsprofils.

Begriffsabgrenzung und Gebrauch

Web Administrator ist in Deutschland, Österreich und der Schweiz keine gesetzlich geschützte Berufsbezeichnung. Damit kann der Begriff von jeder Person legal als Berufsbezeichnung geführt werden und kommt z.B. auch häufig in Stellenanzeigen vor.

Wer den Begriff jedoch im Berufsleben (z.B. bei Bewerbungen oder Vertragsabschlüssen) verwendet, ohne über eine entsprechende Qualifikation zu verfügen, verstößt u.U. gegen bestimmte Gesetze, in Deutschland z.B. gegen das Gesetz gegen den Unlauteren Wettbewerb (UWG) im Sinne einer irreführenden Werbung. Unter bestimmten Umständen kann die Verwendung der Berufsbezeichnung „Web-Administrator“ auch den Straftatbestand des Betrugs (in Deutschland gem. § 263 StGB) erfüllen, z.B. in Form von Anstellungsbetrug.

In Deutschland war der „Web Administrator“ eines von 29 „Spezialisten-Profilen“, die in der IT-Fortbildungsverordnung des Bundes von 2002 geregelt waren. Mit der letzten Überarbeitung 2010 wurde der Web-Administrator gestrichen und ist im weiter gefassten Profil des „IT-Administrators“ aufgegangen[1] .

Im allgemeinen Gebrauch des Begriffes Web-Administrator herrscht erheblicher Wildwuchs. Während die meisten Stellenausschreibungen die Verantwortung für Webserver als die Kernaufgabe eines Web-Administrators ansehen, wird der Begriff mitunter (namentlich in den Stellenangeboten der Agentur für Arbeit) für alle möglichen Tätigkeiten verwendet, die im Zusammenhang mit Web-Auftritten stehen, u.a. Konzeption, Programmierung und Design für Webseiten. So gibt es auch Bezeichnungen wie z. B. Systemadministrator, Web-Systementwickler, Administrator für Webanwendungsinfrastrukturen, IT System Administrator etc. oft mit recht ähnlichen Anforderungsprofilen.

Im englischen, teilweise auch im deutschen Sprachraum wird „Web Administrator“ häufig synonym zu „Webmaster“ verwendet; englischsprachige Stellenanzeigen unterscheiden gelegentlich zwischen dem „Web Content Administrator“ und dem „Web Hosting Administrator“. Insgesamt geht im Zuge der Verbindung und Verschmelzung von Offline-und Online-IT-Systemen der Trend immer mehr in Richtung "IT Administrator", wobei deren Aufgabenbereich u. U. deutlich umfangreicher ist und sich nicht ausschließlich auf den Betrieb von Webservern fokussiert. Dies besonders in IT-Untermehmen, bei denen der Hauptschwerpunkt nicht unbedingt auf dem Hosting von Online-Präsenzen und der Administration von Webservern liegt. Von IT Admins wird hier oft erwartet, dass sie über entsprechendes Zusatzwissen im Web-Admin-Bereich verfügen. Die Grenzen zwischen dem Berufsbild des IT Administrators und dem des Web Administrators sind dabei fließend.

Weibliche Form

Im deutschen Sprachraum werden weibliche Administratoren als „Administratorin“ bezeichnet. Wir beschränken uns im Folgenden auf die männliche Form, meinen aber selbstredend immer beide Geschlechter.

Arbeits- und Tätigkeitsfelder

Web Administratoren arbeiten in Unternehmen aller Branchen, in der öffentlichen Verwaltung, in Verbänden und Organisationen, soweit diese ihre Webserver selbst einrichten und verwalten. Sie sind aber auch in spezialisierten IT-Unternehmen tätig, die Webhosting-Dienste anbieten, und arbeiten dort in großen Rechenzentren oder auch vor Ort bei den jeweiligen Kunden. Viele Fullservice-Agenturen bieten auch Hosting und Administration von Webservern an, besonders dann wenn sie Websites, Onlineshops oder sonstige Webapplikationen selbst entwickeln und/oder in Lizenz vertreiben. Dann sind die Web Administratoren meistens spezialisiert auf genau diese Systeme und Anwendungen und besonders eng mit den individuellen Anforderungen vertraut. Gerade in diesem Umfeld hat ein Web Administrator oft auch engen Kundenkontakt.

Freiberufler gibt es ebenfalls, sie bieten aber in der Regel weitere IT-Dienstleistungen an, oft sogar vorrangig. Am häufigsten ist dies Netzwerk-Administration, teilweise auch Webdesign oder Web-Programmierung.

Kerntätigkeit eines Webadministratoren ist das Konfigurieren, Pflegen und Überwachen von Web- und häufig auch Applikations- und Datenbankservern.

Stellenbeschreibungen nennen oft folgende Tätigkeiten:

Server einrichten und verwalten

  • Serverinstallation auf unterschiedlichen Betriebssystemen und Hardware-Plattformen
  • Nutzer- und Mandanteneinrichtung und -verwaltung
  • DNS_/Domaineinrichtung, Netzwerkanbindung und -Konfiguration
  • Anmelde- und Passwort-Konzepte entwickeln und für deren Schutz sorgen

Internet-Dienste installieren und konfigurieren

  • Webserver (z.B. Apache, Nginx, Microsoft IIS oder Sharepoint)
  • Datenbankserver (z.B. MySQL, Postgres, Microsoft SQL)
  • Servermodule und -Erweiterungen auswählen und konfigurieren
  • Serverseitige Programmierumgebungen einrichten und optimieren: PHP, Perl/CGI, Ruby, Tomcat, c#/.NET, node.js etc.
  • Mailserver (z.B. Postfix, Microsoft Exchange)
  • DNS-Server (z.B. BIND)
  • FTP-Server (z.B. ProFTPD, SFTP, SCP-/SSH-Server)

Systemsicherheit und Systemüberwachung

  • Sicherstellen der Erreichbarkeit des Systems: Konzepte für Loadbalancing, CDN-Networks einrichten
  • Erstellen von Sicherheitskonzepten: Abwehr bzw. Abfangen von DDOS- und sonstigen Hacker-Angriffen, Erstellung von SSL-Zertifikaten
  • Systemhärtung (OS Hardening), Angriffe erkennen und abwehren (Intrusion Detection & Prevention, SQL-Injection-Abwehr)
  • Konfigurieren und Überwachen von Firewalls und Authentifizierungssystemen (interne und externe Firewall-Konzepte, LDAP etc.)
  • Leistungsüberwachung: Leistungsaudits/Lasttests planen und durchführen, Monitoring-Tools einrichten, Alert-Systeme

Backup and Recovery

  • Erstellung von Konzepten zur internen und externen Datensicherung, Archivierung und Wiederherstellung. Datenspiegelung, Datenbank-Snapshots
  • Umsetzung der Konzepte, Durchführung von Datensicherungen und -archivierungen inkl. zur datenschutzrechtlich notwendigen Löschung von Altdaten
  • Notfallpläne entwerfen und durchspielen
  • Programmierung von Shellskripten z. B. zur Überwachung und Automatisierung von Backups, Logfile-Rotation, Cronjobs etc.

Hochverfügbarkeit sicherstellen

  • Kritische Systemkomponenten identifizieren, Redundanzen schaffen: enge Zusammenarbeit mit Providern
  • Serverspiegelungen/Lastverteilung durch redundante Cluster.
  • Performance-Tuning z. B. durch Implementierung von Caching-Technologien und entsprechenden Server-Erweiterungen (z. B. APC, RAM- und Festplattencaches)
  • Virtualisierung zur effizienteren Hardware-Nutzung. Nutzung von Clouddiensten (Amazon-Cloud, Akamai etc.)

Beschaffung von Hard- und Software

  • Evaluierung, Auswahl und Beschaffung von Hard- und Software-Systemen bzw. -Komponenten, vor allem wenn Server intern gehostet werden.
  • Koordinierung externer Dienstleister

Troubleshooting, Anwendersupport und Dokumentation

  • Fehleranalyse und -behebung
  • Einweisung und Unterstützung der Anwender und evtl. von Kunden
  • Erstellen und Aktualisierung von Server- und Dienste-Dokumentationen

Kompetenzen

Soft Skills

  • Abstraktes Denkvermögen: Viele technische Zusammenhänge lassen sich nicht oder schlecht visualisieren, sondern müssen auf abstrakter Ebene erfasst und verstanden werden.
  • Stressresistenz und hohe Konzentrationsfähigkeit: In vielen Unternehmen ist die Erreichbarkeit von Websites und -shops von zentraler Bedeutung. Administratoren müssen bei Störungen auch unter hohem Zeit- und Erwartungsdruck zügig und exakt arbeiten können und den Überblick behalten.Außerdem müssen sie teilweise auch im Schichtbetrieb Bereitschaftsdienste übernehmen. Auf Probleme und Störungen muss oft schnell reagiert werden. Die Fehlersuche und Lösung kann aber kompliziert sein: hier ist eine Veranlagung zur Konzentration in möglicherweise hektischem Umfeld notwendig.
  • Durchsetzungsfähigkeit: V.a. im Bereich Sicherheit müssen Administratoren in der Lage sein, ihre Anforderungen gegenüber Geschäftsleitung und Mitarbeitern zu begründen und notfalls mit Hartnäckigkeit durchzusetzen. Schließlich tragen sie in mehrfacher Hinsicht (Sicherheit, Stabilität, Datenschutz etc.) eine hohe Verantwortung.
  • Bereitschaft zu lebenslangem Lernen: Da die Anforderungen an Hard- und Software kontinuierlich steigen und die Gefahren für die Sicherheit sich permanent ändern, müssen Administratoren in der Lage sein, kontinuierlich dazuzulernen. Sie müssen häufig im Netz recherchieren und benötigen dafür auch solide Englischkenntnisse.
  • Kommunikative Fähigkeiten: Da Administratoren einerseits häufig Benutzer einweisen müssen, andererseits auch oft mit externen Dienstleistern zu tun haben, brauchen sie gute kommunikative Fähigkeiten. Oft sind sie auch die Schnittstelle zwischen den Teams oder Abteilungen (z.B. Design, Programmierung, Geschäftsführung).
    Soweit sie (z.B. als Mitarbeiter spezialisierter IT-Dienstleister) direkten Kundenkontakt haben, müssen sie auch bei zeitkritischen Problemen und Störungen gegenüber dem Kunden angemessen reagieren können.
  • Kreativität: Auch die Lösung technischer Probleme erfordert oft ein gutes Maß an Fingerspitzengefühl und Einfallsreichtum.

Voraussetzungen

Personen, die eine Tätigkeit als Web Administrator anstreben, sollten folgende Voraussetzungen mitbringen:

Schulische Voraussetzungen

Hochschulreife, Fachhochschulreife oder mittlerer Bildungsabschluss. Ein Informatikstudium ist hilfreich.

Englischkenntnisse

Interessenten sollten über gute bis sehr gute Englischkenntnisse verfügen und englische Texte aus dem technischen Umfeld verstehen und auch selbst formulieren können. Z.B., um sich in Foren Unterstützung zu holen. In internationalen Unternehmen wird auch oft verlangt, dass Dokumentationen auf Englisch zu verfassen sind.

Sonstige Voraussetzungen

Verständnis für technische Abläufe und Zusammenhänge, überdurchschnittliches Abstraktionsvermögen, Bereitschaft, sich permanent weiterzubilden. Vielseitigkeit.

Berufszugang, Zertifizierungen und Weiterqualifizierung

Wie in allen IT-Berufen gibt es unter den Web-Administratoren eine große Zahl an Quereinsteigern, die ihr Know-how durch Learning by Doing erworben haben. Für diese Personengruppe kann ein Qualifikationsnachweis in Form einer Zertifizierung v.a. bei einem Stellenwechsel sehr hilfreich sein.

Es gibt eine Reihe von Hersteller-spezifischen Weiterbildungen (z.B. Cisco- oder Linux-Zertifizierungen) sowie auch herstellerunabhängige Zertifizierungen, z.B. durch das Linux Professional Institute (LPI) und durch die Verbände CompTIA und Webmasters Europe e.V.

Webmasters Europe e. V. bietet in Zusammenarbeit mit der Webmasters Fernakademie verschiedene Qualifizierungen an:

Die Weiterbildung zum "Certified Linux Administrator" fokussiert sich auf alle Bereiche der Webadministration auf Basis von Linux-Betriebssystemen wie z. B. Debian. Besonders umfangreich ist der Webmaster-Studiengang "Diploma in Web Development und Administration" der zusätzlich zu Webadministration auch Kenntnisse in der Web-Entwicklung vermittelt und qualifizierende Kompetenzen in Theorie und Praxis vermittelt und mit einem umfassenden Diploma abschliesst. Der Studiengang wird in Präsenzform und als Fernstudium angeboten, auch in modularer Form.

[1] http://www.gesetze-im-internet.de/bundesrecht/it-fortbv/gesamt.pdf

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