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Webmaster

Ursprung und Entwicklung

Webmaster (engl. aus den Wörtern Web – als Kurzform von World Wide Web – und Master = Meister) wurde ursprünglich als Bezeichnung für den Administrator eines Webservers verwendet. Nach dem RFC 2142 (Mailbox Names for Common Services, Roles and Functions) soll für jede Website eine E-Mail-Adresse webmaster@domain eingerichtet werden, an die sich ein Besucher bei technischen Problemen mit der Website oder dem Server wenden kann.

Der Begriff wurde von Tim Berners-Lee, dem Erfinder des World Wide Web, analog zu den Begriffen Postmaster (Rollenbezeichnung für den Administrator eines Mailservers) oder Hostmaster (Administrator eines Domain Name Servers) geprägt und findet sich erstmalig in dem Dokument »Style Guide for Online Hypertext«.

Bereits seit den Anfängen des World Wide Web in den frühen 1990er Jahren wird der Begriff Webmaster aber auch als Tätigkeits- oder Berufsbezeichnung für Personen benutzt, die eine Website betreiben oder in irgendeiner Form für eine Internetpräsenz verantwortlich sind. Suchanbieter wie z. B. Google, Bing, Yandex und Baidu stellen Webmaster nachwievor webbasierte Tools (sog. „Webmastertools“, „Search Console“ etc.) zur Verfügung, mit denen Webmaster Daten und Diagnosefunktionen der Suchanbieter erhalten, um z. B. Websites für die jeweiligen Suchmaschinen zu optimieren. An diesem Beispiel wird deutlich, dass die Bezeichnung „Webmaster“ zumindest im Sinne einer wichtigen und verantwortungsvollen Rolle international immer noch gebräuchlich ist, auch wenn sich aus diesem Berufsbild mittlerweile viele verschiedene spezialisierte Qualifizierungen, Zuständigkeiten und berufliche Rollen entwickelt haben. Webmaster waren von Anfang an für die Konzeption, Entwicklung, Veröffentlichung und Vermarktung gleichermaßen verantwortlich. Dieses Berufsbild ist in vieler Hinsicht der Ursprung und das Vorbild jüngerer Berufsprofile im Bereich Web Administration und der generellen technischen Betreuung von Online-Präsenzen.

Mit der schnellen Weiterentwicklung der Webtechnologien und der Kommerzialisierung des World Wide Web wuchsen die Anforderungen an die fachlichen Qualifikationen in allen Bereichen stark. Heute werden kommerzielle Websites zumeist von einem Team aus verschiedenen Spezialisten entwickelt und betreut:

Vor diesem Hintergrund hat sich das Berufsbild des interdisziplinär arbeitenden Webmasters verändert und sich mittlerweile weitgehend in einzelne spezialisierte Berufsprofile aufgespalten. Andererseits muss es gerade bei der Komplexität der heutigen Webprojekte mehr denn je einen Generalisten geben, der für Online-Auftritte und die entsprechenden Systeme im Sinne eines Webmasters hauptverantwortlich ist, das Projekt überwacht und die Projektabläufe koordiniert. Auch wenn die Berufsbezeichnungen hier je nach Aufgabenschwerpunkt und Branchen-Jargon variieren: die Kernaufgabe bzw. -Rolle des Webmasters lebt weiter.

Gebrauch

Webmaster ist in Deutschland, Österreich und der Schweiz keine gesetzlich geschützte Berufsbezeichnung. Damit kann der Begriff von jeder Person legal als Berufsbezeichnung geführt werden und kommt z.B. auch häufig in Stellenanzeigen vor.

Wer den Begriff jedoch im Berufsleben (z.B. bei Bewerbungen oder Vertragsabschlüssen) verwendet, ohne über eine entsprechende Qualifikation zu verfügen, verstößt u.U. gegen bestimmte Gesetze, in Deutschland z.B. gegen das Gesetz gegen den Unlauteren Wettbewerb (UWG) im Sinne einer irreführenden Werbung. Unter bestimmten Umständen kann die Verwendung der Berufsbezeichnung „Webmaster“ auch den Straftatbestand des Betrugs (in Deutschland gem. § 263 StGB) erfüllen, z.B. in Form von Anstellungsbetrug.

Webmaster befassen sich heutzutage vor allem mit der Planung, Entwicklung, Wartung und Administration von Websites und Webanwendungen im Internet oder im Intranet einer Organisation. Sie sind der erste Ansprechpartner bei technischen Problemen, Fragen oder Anregungen zu einer Website.

Die Bezeichnung Webmaster ist international sehr weit verbreitet und hat Eingang in den Sprachgebrauch vieler Nationen gefunden. Gelegentlich wird synonym auch die Bezeichnung „Web Operator“ verwendet.

Weibliche Form

Als weibliche Form von Webmaster wird manchmal der Englische Begriff Webmistress und im Deutschen Webmeisterin verwendet (siehe Wiktionary-Eintrag zu Webmistress).

Im vorliegenden Dokument und im Sprachgebrauch von Webmasters Europe bezieht sich der Begriff Webmaster auf beide Geschlechter.

Arbeits- und Tätigkeitsfelder

Webmaster arbeiten als Freiberufler, selbstständige Unternehmer oder als Angestellte in Internet-, Medien- oder Fullservice-Agenturen, bei Internet Service Providern, Systemhäusern oder der IT-Abteilung größerer Organisationen (Unternehmen, Verbände, Öffentlicher Dienst). Die Rolle wird immer dann notwendig, wenn ein oder mehrere Webserver-Systeme intern und/oder extern für das Unternehmen existieren und regelmäßig gewartet und betreut werden müssen. Ausnahme: diese Aufgabe wird an externe Dienstleister (z. B. bei „Managed Server“-Produkten) vollständig und per Service Level Agreement (SLA) ausgelagert.

Insbesondere kleinere, wenig kompexe Websites werden auch heute oftmals noch von einem Webmaster alleine oder in Zusammenarbeit mit dem einen oder anderen Spezialisten erstellt, betreut und weiterentwickelt.

Komplexere Web- und E-Commerce-Anwendungen werden jedoch zumeist von einem größeren Team, bestehend aus verschiedenen Fachexperten, umgesetzt. Ein Webmaster als Generalist und »Website-Architekt« übernimmt dabei typischerweise die Funktion des Beraters, Koordinators, Projektleiters oder konzentriert sich dann auf einige Kernzuständigkeiten wie z. B. die Domaineinrichtung oder Betreuung der laufenden Systeme. Im Mittelpunkt seiner Arbeit steht der sichere und stabile Betrieb der Internetpräsenz.
Seine Kernaufgaben sind:

Bei einer eventuell vorhandenen fachlichen Spezialisierung kann ein Webmaster zusätzlich auch folgende fachlichen Aufgaben und Tätigkeiten wahrnehmen:

Fachgebiet Web Business

Fachgebiet Webdesign

Fachgebiet Web-Programmierung

Fachgebiet Administration

Kompetenzen

Marktstudien haben ergeben, dass erfolgreiche Websites weder von reinen Designern noch von Technik-Experten konzipiert und betreut werden, sondern von Generalisten mit Know-how in den o.g. Fachgebieten. Webmaster sollten deshalb über fachliche und methodische Kompetenzen in den genannten vier Fachgebieten verfügen, ohne jeweils tiefgehendes Spezialwissen in allen Bereichen zu benötigen. Sie waren zumindest früher Website-Architekten, deren Kernaufgabe es war, die Konstruktion einer Website in technischer, wirtschaftlicher, funktionaler und gestalterischer Hinsicht zu planen, zu koordinieren und zu überwachen, ähnlich wie ein Architekt die Planung und Koordination bei der Errichtung von Bauwerken wahrnimmt. Heute fokussieren sie sich vor allem auf den sicheren und stabilen Betrieb von Webservern und Online-Präsenzen und die technische Betreuung und Beratung vor und nach dem Liveschalten von Webanwendungen und Websites.

Über das reine Fachwissen hinaus wird von einem Webmaster oft ein hohes Maß an technischem Know How, Kommunikations- und Koordinationsfähigkeit, sozialer Kompetenz, Teamfähigkeit, Durchsetzungsvermögen, Kreativität und Belastbarkeit gefordert:

Soft Skills

Voraussetzungen

Personen, die eine Ausbildung zum Webmaster anstreben, sollten folgende Voraussetzungen mitbringen:

Schulische Voraussetzungen

Hochschulreife, Fachhochschulreife oder Mittlere Reife werden empfohlen.

Englischkenntnisse

Interessenten sollten über gute Englisch-Grundkenntnisse verfügen und einfache bis mittelschwere englische Texte aus dem technischen Umfeld verstehen können.

PC-Kenntnisse

Die Interessenten sollten mehrjährige Erfahrung mit PCs haben und sich mit mindestens einer grafischen Oberfläche (z.B. Windows oder Mac OS X) auskennen. Außerdem sind tiefergehende technische Kenntnisse z. B. im Bereich Hardware, Betriebs- und Serversysteme, Netzwerkprotokolle, Programmierung von Internetseiten etc. wünschenswert. Ebenso sollte der Umgang mit Standardsoftware wie z.B. Textverarbeitung, Tabellenkalkulation, Grafikprogrammen und Porjektmanagementsoftware in Grundzügen vertraut sein.

Internet-Anwenderkenntnisse

Die Interessenten sollten das Internet bereits als Anwender sehr gut kennen und die geläufigen Dienste (WWW, E-Mail, Chat, Messenger, VOIP, FTP) nutzen.

Sonstige Voraussetzungen

Verständnis für technische Abläufe und Zusammenhänge, überdurchschnittliches Abstraktionsvermögen, Bereitschaft, sich permanent weiterzubilden.

Aus- und Weiterbildung

Die Ausbildung zum Beruf des Webmasters ist nicht staatlich geregelt und wird ausschließlich als Weiterbildung (z.T. auch als Primärausbildung) von meist privaten Bildungseinrichtungen angeboten. Die Aus- bzw. Weiterbildung dauert in Vollzeit in der Regel zwischen 6 und 12 Monaten.

Aus- und Weiterbildungskurse zum Webmaster werden auch im Fernunterrichtsmodell oder in berufsbegleitenden Abend- und Wochenendkursen angeboten und sind damit als Weiterbildung für berufstätige Erwachsene geeignet. Die Dauer liegt dann bei etwa 2 Jahren.

Einige Fachhochschulen und Universitäten haben mittlerweile Studiengänge eingerichtet, die einige der Kompetenzen des Webmasters abdecken, z.B. Studiengänge mit den Bezeichnungen »Digitale Medien« oder »Medieninformatik«.

Webmasters Europe e. V. bietet aufgrund der Aufsplittung des Berufsbildes keine Qualifizierung zum Webmaster mehr an. Dafür gibt es die Möglichkeit, über mehrere voneinander unabhängige Fernlehrgänge entsprechende generalistische Kompetenzen in den Bereich Web Administration, Web Development etc. zu erwerben und nachzuweisen.

Beispiele für einschlägige Fernlehrgänge der Webmasters Fernakademie Nürnberg sind:

Berufliche Aufstiegsmöglichkeiten

Webmaster können typischerweise in folgenden Rangstufen arbeiten: