Web-Entwickler / Web Developer

Berufsbezeichnung

Inhalt

Ursprung und Kurzbeschreibung

Ein Web-Entwickler ist ein Software-Entwickler, der sich auf Webtechnologien spezialisiert hat und für Websites oder Onlineshops programmiert. Während Websites in den Anfangsjahren des World Wide Web technisch noch recht einfach aufgebaut waren und durchaus auch von Nicht-Software-Entwicklern realisiert werden konnten, hat sich das Arbeitsfeld inzwischen entscheidend gewandelt. Aus den ehemals statischen Seiten, die im Wesentlichen der Darstellung von Bildern und Texten dienten, sind mittlerweile umfangreiche und teils hochkomplexe, dynamische Anwendungen geworden (Shops, Foren, Auktionshäuser, Spezialapplikationen...). Damit sind die Anforderungen an die Entwickler enorm gestiegen. Heute müssen professionelle Web-Entwickler oft viele Disziplinen aus der kompletten Palette der Softwareentwicklung beherrschen, wobei fundierte Kompetenzen in einer oder mehreren web-spezifischen Programmiersprachen (PHP, Java, JavaScript, C#/.Net, Ruby etc.) nur der Anfang sind. Neben den rein technischen Kenntnissen wird auch immer mehr Methodikwissen benötigt, z.B. Kenntnisse in den Bereichen Anforderungsanalyse, Software- und Datenbank-Architektur, Vorgehensweisen der agilen Softwareentwicklung, objektorientierte Programmierung oder diverse Testkonzepte.

Gebrauch

Neben Web Developer/Webdeveloper sind auch die Bezeichnungen Web-Engineer oder Web-Programmierer/Web Programmer gebräuchlich.

Im englischen Sprachraum wird der Begriff Web Developer manchmal sogar noch weiter gefasst und schließt hin und wieder auch Designer, Konzeptentwickler oder Business-Experten mit ein.

Web Developer / Web-Entwickler ist in Deutschland, Österreich und der Schweiz keine gesetzlich geschützte Berufsbezeichnung. Damit kann der Begriff von jeder Person legal als Berufsbezeichnung geführt werden und kommt z.B. auch häufig in Stellenanzeigen vor.

Wer den Begriff jedoch im Berufsleben (z.B. bei Bewerbungen oder Vertragsabschlüssen) verwendet, ohne über eine entsprechende Qualifikation zu verfügen, verstößt u.U. gegen bestimmte Gesetze, in Deutschland z.B. gegen das Gesetz gegen den Unlauteren Wettbewerb (UWG) im Sinne einer irreführenden Werbung. Unter bestimmten Umständen kann die Verwendung der Berufsbezeichnung „Web Developer / Web-Entwickler“ auch den Straftatbestand des Betrugs (in Deutschland gem. § 263 StGB) erfüllen, z.B. in Form von Anstellungsbetrug.

Arbeits- und Tätigkeitsfelder

Web-Entwickler arbeiten mitunter als Freiberufler oder Selbstständige, häufiger aber als Angestellte in Internet-, Medien-, Fullservice-Agenturen oder IT-Abteilungen größerer Organisationen (Unternehmen, Verbände, Öffentlicher Dienst).

Bei der Entwicklung von Webservices oder Web-APIs sind reine Web-Developer-Teams nicht unüblich. Häufig arbeiten sie aber in interdisziplinären Teams, bestehend aus Entwicklern, Designern, Marketing-Experten, Web Business-Strategen, Projektleitern usw.

Zu den den Aufgaben des Web-Entwicklers bzw. der Web-Entwicklerin gehören dabei typischerweise:

  • Durchführen der Anforderungsanalyse
  • Erarbeitung von Lösungsvorschlägen und Umsetzungsszenarien (Umsetzbarkeit von Anforderungen, alternative Umsetzungsmöglichkeiten)
  • Aufwandsschätzungen für Lasten- oder Pflichtenhefte inkl. Pro & Kontra-Abwägungen von unterschiedlichen Umsetzungsvarianten
  • Erstellen von Software-Design und -Architektur
  • Design und Installation der Werkzeugkette
  • Erstellung des Datenbankdesigns
  • Implementierung des Produktiv-Codes (Server und/oder Client-Code)
  • Durchführung von manuellen und automatisierten Tests z. B. auf einem Staging-Server
  • Fehlerbehandlung und -Bereinigung, sowie Code-Optimierungen und/oder -Aktualisierungen
  • Evaluierung neuer technischer Möglichkeiten wie z. B. neue Funktionen von Programmiersprachen, Entwicklerwerkzeugen, Frameworks und Code-Bibliotheken
  • Wartung und Betrieb der Software-Installationen

Spezialisierungen

Im Bereich der Web-Entwicklung ist ein Trend zur Spezialisierung zu erkennen, der sich weitgehend an der klassischen Software-Entwicklung orientiert. So gibt es z.B.

  • Architekten
  • Programmierer
  • Datenbankspezialisten
  • Frameworkspezialisten
  • Technische Team- und Projektleiter

Eine Besonderheit im Bereich der Webentwicklung stellt außerdem die Aufteilung in

  • Frontend/Client-Entwickler und
  • Backend/Server-Entwickler

dar. Jedoch ist es auch nicht unüblich, dass ein erfahrener Entwickler mehrere dieser Rollen (oder als "Fullstack-Entwickler" sogar alle) beherrscht, und auch Stellenanzeigen Entsprechendes fordern.

Kompetenzen

Technische Fähigkeiten

Im technischen Sektor gibt es gewisse Grundkenntnisse, die jeder Web Developer beherrschen sollte:

  • HTML (möglichst alle Versionen inkl. HTML5, XHTML)
  • CSS (möglichst alle Versionen inkl. CSS3)
  • XML und XSLT
  • JavaScript /AJAX
  • PHP5 und PHP7
  • Prinzipien der objekt-orientierten Programmierung (OOP)

Je nach Arbeitsschwerpunkt sind dann weitere Kenntnisse erforderlich:

Frontend-Entwickler:

  • Grundlegende Kenntnisse aus dem Bereich Webdesign
  • Responsive Design
  • Programmierung dynamischer Websites mit JavaScript und AJAX
  • Umgehen mit der JavaScript-DOM-API
  • Clientseitige Frameworks und Libaries, z.B. Prototype, AngularJS, ReactJS, UIkit, jQuery, YAML, Bootstrap u.v.m.
  • Serverseitige Frameworks und Libraries, z. B. PHP-Symfony, PHP-Laravel, Cake-PHP etc.

Backend-Entwickler:

  • Verständnis des HTTP- und HTTPS-Protokolls sowie des REST-Prinzips
  • Theorie und Konzepte relationaler Datenbanken inkl. Grundwissen zu den Besonderheiten von Datenbanksystemen wie z. B. Oracle, PostGres, Microsoft SQL und MySQL
  • Beherrschung der SQL-Sprache, oft auch XML, JSON
  • Serverseitige Programmiersprachen: z.B. Ruby, PHP, Java, C#, serverseitiges JavaScript wie Node.js
  • Serverseitige Frameworks: z.B. Ruby on Rails, PHP-Symfony, Zend Framework, Spring. C#/.NET u.a.

Kompetenzen

Die Anforderungen an eine/n Web-Entwickler gehen über die reine Programmierung hinaus; viele Tätigkeiten erfordern ein solides Methodikwissen (vgl. Abschnitt „Tätigkeitsfelder“).

Soft Skills

Web-Entwicklung ist Teamarbeit; der „Programmierer“ im stillen Kämmerlein ist Geschichte. Entwickler arbeiten mit den unterschiedlichsten Fachexperten und -abteilungen zusammen; in kleinen Projekten bzw. Unternehmen haben sie nicht selten auch Kundenkontakt. Somit sind die sog. Soft Skills inzwischen auch für Entwickler von zentraler Bedeutung.

  • Kommunikative Fähigkeiten: Web Developer müssen in der Lage sein, komplexe (technische) Zusammenhänge für die Nicht-Entwickler in ihrem Team nachvollziehbar zu machen. Sie müssen einen Sachverhalt strukturiert darstellen und klar nach außen kommunizieren können.
  • Gute Auffassungsgabe und lebenslanges Lernen: Die Weiterentwicklung der Technologien im Internet verläuft äußerst dynamisch. Web-Entwickler müssen daher – wie andere Berufsgruppen im IT-Bereich auch – bereit sein, permanent dazuzulernen und sich weiterzuentwickeln.
  • Belastbarkeit: Web-Entwickler müssen oft unter Zeitdruck arbeiten und benötigen ein gutes Maß an Belastbarkeit. Außerdem müssen sie mit sog. "negativem Feedback" wie z. B. Fehler-Meldungen, Beschwerden zu fehlerhaften oder fehlenden Funktionalitäten etc. gut umgehen können.

Voraussetzungen

Personen, die eine Ausbildung zum Web-Entwickler bzw. Web Developer anstreben, sollten folgende Voraussetzungen mitbringen:

Schulische Voraussetzungen

Hochschulreife, Fachhochschulreife oder ein mittlerer Bildungsabschluss

Englischkenntnisse

Einschlägige Fachliteratur und Dokumentationen stehen oft nur in Englisch zur Verfügung oder sind im Vergleich zu deutschen Übersetzungen vollständiger und aktueller. Interessenten müssen deshalb über solide Englischkenntnisse verfügen und englische Texte aus dem technischen Umfeld lesen und verstehen können.

Mathematik- und Informatik-Kenntnisse

Da Entwickler vorwiegend logisch-abstrakt denken müssen, sind ein gutes Abstraktionsvermögen und solide Mathematik-Kenntnisse (mindestens auf Realschulniveau) unabdingbar. Gerade wenn sie für die Entwicklung komplexerer Algorithmen und Architekturen zuständig sind, gehören auch solide Informatik-Kenntnisse zum Berufsbild.

Aus- und Weiterbildung

Ausbildungsberuf Fachinformatiker/in Anwendungsentwicklung

In Deutschland bereitet der Ausbildungsberuf „Fachinformatiker/in Anwendungsentwicklung“ teilweise auf eine Tätigkeit als Web-Entwickler vor, sofern in der Ausbildung auch tatsächlich die web-relevanten Kompetenzen auf neuestem technologischem Stand vermittelt werden.

Studiengänge

Es existieren eine Vielzahl an Hochschul-und Fachhochschul-Studiengängen (Informatik, Medieninformatik, Angewandte Informatik etc.) die mehr oder weniger auf eine Tätigkeit als Web-Entwickler bzw. Web Developer vorbereiten, sofern in diesen Studiengängen tatsächlich aktuelle, web-relevante Kompetenzen vermittelt werden, was immer im Einzelfall geprüft werden muss. Die Spezialisierung auf beispielsweise bestimmte Programmiertechniken, -Sprachen oder Frameworks findet in der Regel erst im späteren Berufsleben statt und wird teilweise autodidaktisch ("Training-on-the-Job") und/oder über spezielle IT-Intensivseminare erworben.

Weiterbildungen und Zertifikate

Weiterbildungen zum Web Developer werden von zahlreichen Bildungseinrichtungen angeboten.

Zertifizierungen gibt es zu einzelnen Kompetenzbereichen wie z. B. die PHP-Zertifizierung der Firma Zend oder die MySQL-Zertifizierung der Firma Oracle.

Webmasters Europe e.V. bietet die Qualifizierung zum Web Developer im Rahmen eines Diploma-Studienganges an, der berufsqualifizierende Kompetenzen in Theorie und Praxis vermittelt. Abschluss: Diploma in Web Engineering . Der Studiengang wird in Präsenzform und als Fernstudium angeboten, auch in modularer Form. Neben den Inhalten der beiden Web Developer-Module vermittelt der Studiengang Diploma in Web Engineering der Webmasters Fernakademie auch Kenntnisse in Website-Konzeption, Webdesign und Online Marketing. Damit trägt das Curriculum der Tatsache Rechnung, dass Web-Entwicklung, wie oben dargestellt, Teamarbeit ist und einen qualifizierten Blick über den eigenen Tellerrand erfordert.

Aufgrund der zunehmenden Spezialisierung von Web-Entwicklern auf beispielsweise einzelne Web-Programmiersprachen oder Frameworks bietet Webmasters Europe e. V. in Zusammenarbeit mit der Webmasters Fernakademie die Zertifizierungen WE Certified Web Developer (JavaScript) und WE Certified Web Developer (PHP/MYSQL) an, mit der Web-Entwickler ihre entsprechenden fachspezifischen Kompetenzen ausbauen und nachweisen können.

Berufliche Aufstiegsmöglichkeiten

Es gibt für Web-Entwickler vielfältige berufliche Entwicklungspfade, die je nach individueller Neigung beschritten werden können. Gerade in diesem Berufsumfeld besteht aufgrund der ständig wechselnden Anforderungen und des technischen Fortschrittes eine besonders hohe Entwicklungsdynamik. Wie in vielen anderen IT-Berufen ist auch bei Web-Entwicklern die Praxiserfahrung für den beruflichen Aufstieg am wichtigsten: je mehr Projekte mit unterschiedlichen Anforderungen und Rahmenbedingungen erfolgreich umgesetzt und je besser entsprechende Fachkenntnisse dabei vertieft werden, umso besser sind die Aufstiegsmöglichkeiten. Ein typischer Pfad ist dabei die Entwicklung vom Junior Web Developer zum Senior Web Developer, die in der Regel frühestens nach fünf Jahren (manchmal auch erst nach 7-8 Jahren) intensiver Projekterfahrung in Entwicklerteams möglich ist. Eine weitere Aufstiegsmöglichkeit bietet die Übernahme von Verantwortungsbereichen. Beispiele:

  • Technischer Projekt- und/oder Teamleiter: Koordination und fachliche Leitung von projektbezogenen Entwicklerteams, die je nach Anforderung zusammengestellt werden.
  • Abteilungsleiter z. B. Chief Web Developer oder Head of Web Development: hier gibt es die unterschiedlichsten Bezeichnungen. Dahinter steht a) die Führungskompetenz aufgrund der fachlichen Erfahrung und b) die Übernahme von disziplinarischer und budgetärer Verantwortung für die Abteilung. Beides setzt den Senior-Status voraus.
  • Fokussierung und Spezialisierung auf Fach- und Aufgabengebiete: z. B. Framework-Specialist, PHP-Symfony-Specialist, Schnittstellen-Experte etc.. Hier stehen immer die ausserordentlichen Fachkenntnisse und sehr hohe fachliche Sicherheit und Effizienz im Vordergrund, die eine entsprechende Beförderung und Gehaltserhöhung rechtfertigen. Ein etwas überdurchschnittliches Wissen genügt nicht. Deshalb werden diese Sonder-Fachkentnisse sehr oft über spezielle berufsbegleitende Intensivseminare erworben, die in vielen Fällen auch von Arbeitsgebern finanziert oder zumindest mitfinanziert werden.