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Abwärtstrend der Nachfrage nach Internetspezialisten setzte sich im 3. Quartal 2023 fort - erste Anzeichen für eine Trendwende ab Oktober 2023

Robert von Heeren

09.10.2023 10:00 von Robert von Heeren

Arbeitsmarktanalyse - Quartalsupdate Q3 2023
Bild: Shutterstock, Chonlatee42

In diesem Update unserer Arbeitsmarktanalyse fokussieren wir uns auf die Entwicklung der Nachfrage nach Arbeitskräften im Bereich der Internetberufe im 3. Quartal 2023. Wie in den vorangegangen Quartalsupdates haben wir wieder über 40 Jobprofile (sog. Job Roles) in den Bereichen Online Marketing sowie den mehr technisch orientierten Internetberufen analysiert und vergleichen die Zahlen mit dem Vorquartal.

Allgemeine Situation am deutschen Stellenmarkt

Rückblick auf das 2. Quartal 2023:

Im Monatsbericht zum Arbeits- und Ausbildungsmarkt für Juni 2023, Abschnitt 1.3 ff. stellte die Arbeitsagentur fest: »Die gemeldete Nachfrage nach neuen Mitarbeitern wird seit dem Frühsommer 2022 spürbar schwächer. Der Bestand gemeldeter Stellen liegt aber noch auf einem vergleichsweise hohen Niveau. Auch die Zahlen der monatlichen Stellenzugänge nehmen ab. Im Juni sind sie in saison- und kalenderbereinigter Rechnung gegenüber dem Vormonat um 7.000 zurückgegangen, nach jeweils -1.000 im Mai und im April. Nach den Ursprungszahlen belief sich der Zugang im Juni auf 141.000 Stellen, das waren 18.000 oder 11 Prozent weniger als vor einem Jahr

»In der gleitenden Jahressumme von Juli 2022 bis Juni 2023 – die saisonale und zufällige Schwankungen ausgleicht – sind die Stellenzugänge im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 294.000 oder 15 Prozent auf 1.734.000 gesunken.« (Quelle: Monatsbericht zum Arbeits- und Ausbildungsmarkt Juni 2023 (PDF), Nicht realisierte Nachfrage nach Arbeitskräften, 1.3 ff.).

Dieser Abwärtstrend setzte sich auch im 3. Quartal 2023 unverändert fort.

Entwicklung im 3. Quartal 2023:

Im Monatsbericht zum Arbeits- und Ausbildungsmarkt für September 2023, Abschnitt 1.3 ff. stellt die Arbeitsagentur wiederum fest: »Die gemeldete Nachfrage nach neuen Mitarbeitern lässt weiter nach. Sie wird seit dem Frühsommer 2022 spürbar schwächer. Der Bestand gemeldeter Stellen liegt aber noch auf einem im langjährigen Vergleich hohen Niveau. Der Bestand an gemeldeten Arbeitsstellen ist im September saisonbereinigt um 8.000 gesunken, nach jeweils -11.000 in den drei Monaten zuvor. Nicht saisonbereinigt belief sich der Bestand im September auf 761.000 Arbeitsstellen, das waren 113.000 oder 13 Prozent weniger als vor einem Jahr

Weiterhin: »Die monatlichen Stellenzugänge haben im September in saison- und kalenderbereinigter Rechnung gegenüber dem Vormonat um 2.000 abgenommen, nach -5.000 im August und +6.000 im Juli. Nach den Ursprungszahlen belief sich der Zugang im September auf 124.000 Stellen, das waren 21.000 oder 14 Prozent weniger als vor einem Jahr. In der gleitenden Jahressumme von Oktober 2022 bis September 2023 – die saisonale und zufällige Schwankungen ausgleicht – sind die Stellenzugänge im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 253.000 oder 13 Prozent auf 1.690.000 gesunken.«

Arbeitsmarktsituation Grafik Agentur für Arbeit 2020-2023
Abb. 1: Grafischer Verlauf der bei der Agentur für Arbeit gemeldeten Zahlen für den Zugang und den Bestand gemeldeter Arbeitsstellen in Deutschland von Januar 2020 bis September 2023 (saisonbereinigt)

Der Abwärtstrend des Vorquartals bei den Stellenzugängen setzte sich im 3. Quartal 2023 weiter fort:

Arbeitsmarktsituation Tabelle Agentur für Arbeit 2020-2023
Abb. 2: Tabellarischer Verlauf der bei der Agentur für Arbeit gemeldeten Zahlen für den Zugang und den Bestand gemeldeter Arbeitsstellen in Deutschland von Juli 2020 bis September 2023 (saisonbereinigt)

Interessant ist dabei aber noch Folgendes: »... 52 Prozent der abgemeldeten Arbeitsstellen waren bei der Abmeldung länger als 3 Monate vakant. Die durchschnittliche abgeschlossene Vakanzzeit, also die Zeitspanne zwischen gewünschtem Besetzungstermin und Stellenabgang, belief sich in diesem Zeitraum auf 154 Tage. Das ist länger als im gleichen Vorjahreszeitraum (mit 136 Tagen) und als im Jahr unmittelbar vor der Corona-Krise (von April 2019 bis März 2020 mit 127 Tagen). Die hohe Vakanzzeit spiegelt die Schwierigkeiten vieler Betriebe wider, trotz steigender Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung zeitnah passende Arbeits- und Fachkräfte zu finden.« (Quelle: ebenda)

Fazit des o.g. Arbeitsmarktberichtes der Agentur für Arbeit vom September 2023:

»Von August auf September sind Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung gesunken. In saisonbereinigter Rechnung haben sich beide Größen jedoch erhöht. Auch ohne ukrainische Geflüchtete errechnen sich saisonbereinigte Zuwächse. Das Risiko, durch den Verlust der Beschäftigung arbeitslos zu werden, ist weiter niedrig, wird aber etwas größer. Die Chancen, die Arbeitslosigkeit durch Aufnahme einer Beschäftigung zu beenden, sind weiterhin gering.«

Ergebnisse für Job Roles (bundesweit, Suche nur im Titel der Stellenanzeigen)

Wie in den vorangegangen Quartalsupdates unserer Arbeitsmarktanalysen haben wir auch dieses Mal die mehr technisch orientierten Internetberufe und die Online-Marketing-Berufe getrennt analysiert. Wir beobachten dabei einmal im Monat die Zahl der Stellenausschreibungen von insgesamt 40 Berufsbildern, die wir als »Job Roles« bezeichnen.

Die Lage auf dem Arbeitsmarkt für Internetfachkräfte im 3. Quartal 2023:

Die Entwicklung im Überblick

Arbeitsmarktanalyse Nachfrageverlauf Q3 2023
Abb. 3: Nach einem deutlichen und anhaltenden Rückgang der Zahl der Stellenausschreibungen im 1. Halbjahr 2023 scheint sich die Lage zum Ende des 3. Quartals wieder etwas zu bessern.

Die Zahl der Stellenausschreibungen auf dem deutschen Stellenmarkt stieg hauptsächlich über den Jahreswechsel 2021 zu 2022 hinweg sowohl in den Bereichen Online Marketing als auch bei den technischen Internetberufen sprunghaft an. Vom 1. bis zum 3. Quartal ging die Zahl an offenen Stellenausschreibungen kontinuierlich deutlich zurück. Sowohl die Nachfrage nach Internetspezialisten im Bereich der technisch orientierten Internetberufe als auch im Bereich der Online Marketing Berufe ist auf den Stand des 4. Quartals 2021 zurückgegangen. Im Vergleich zum 2. Quartal verzeichnen wir bei den technischen Internetberufen ein Minus von 51 Prozent und bei den Online Marketing Berufen ein Minus von 24 Prozent. Insgesamt sank die Nachfrage von Ende Q2 zu Ende Q3 2023 um - 38 Prozent deutlich. Allerdings scheint im September 2023 die Talsohle erreicht zu sein. Erste Oktober-Zahlen deuten einen einsetzenden Aufwärtstrend auf dem Arbeitsmarkt für Internetfachkräfte an.

Die Situation im Bereich der technisch orientierten Internetberufe

WE-Arbeitsmarktanalyse Jobrole-Verlauf für IT-Berufe Update für Q3 2023
Abb. 4: Job-Roles-Vergleich (Auszüge) im Bereich der mehr technisch orientierten Internetberufe

Beim Vergleich der Zahlen der Stellenausschreibungen des 3. Quartals 2023 mit denen des 2. Quartals 2023 zeigt sich ein fast durchgehendes positives Bild: fast überall ließ die Nachfrage zum Teil deutlich nach.

Die Rückgänge sehen wir bei folgenden Job Roles und fallen im Vergleich zum Vorquartal zum Teil noch deutlicher aus:

  • Webentwickler: -39 %
  • PHP-Entwickler: -44 %
  • Javascript-Developer -54 %
  • Scrum-Master: -68 %
  • Webdesigner: -54 %

Anstieg gab es bei keinem dieser Berufsbilder.

Die Situation im Online-Marketing-Bereich

WE-Arbeitsmarktanalyse Job-Role-Übersicht für Online Marketing Berufe - Update für Q3 2023
Abb. 5: Job-Roles-Vergleich (Auszüge) im Bereich Online Marketing

Im Bereich der von uns untersuchten Online-Marketing-Berufe sieht es ähnlich aus: Einige Job Roles haben im Vorquartalsvergleich verzeichnen ebenfalls eine geringere Nachfrage, andere sind zum Ende des 3. Quartals hin etwas weniger gefragt.

Die Rückgänge betreffen hier weniger Berufsbilder:

  • Online Marketing Manager: -5 %
  • Webanalyst: -29 %
  • Content Marketing Manager: -37 %
  • Social Media Manager: -55 %

Eine positive Entwicklung sehen wir hingegen bei folgenden Berufsbildern:

  • SEA Manager: +25 %
  • SEO Manager: +32 %

Wir sehen hier also ein geteiltes Bild: Einerseits weitere größere Einbrüche bei der Nachfrage speziell nach Content Marketing und Social Media Managern. Andererseits eine deutliche Steigerung der Nachfrage nach SEO und SEA Managern. Offensichtlich fokussieren sich die Arbeitgeber wieder mehr auf das Gebiet des Suchmaschinenmarketing (SEM), das sowohl aus der Suchmaschinenoptimierung (SEO) als auch der Suchmaschinenwerbung (SEA) besteht. Beide Disziplinen kombiniert können zu einer deutlichen Verbesserung der Sichtbarkeit in den Suchmaschinen führen und somit zu mehr Kundschaft. Dass hingegen die Nachfrage nach Content Marketing und Social Media Managern weiter drastisch rückläufig war ist etwas verwunderlich. Wir gehen davon aus, dass dies nicht mit einem mangelnden Interesse/Nutzen dieser Berufsbilder und Tätigkeiten zu tun hat, sondern eher vielen Unternehmen wegen der nach wie vor hohen Energiepreis- und Inflationssituation ein nur eingeschränktes Budget für die Stellenbesetzung zur Verfügung steht.

Immerhin gibt es erste Anzeichen, dass sie mit Beginn des 4. Quartals 2023 die Nachfragesituation wieder bessert und sich die Chance für Stellensuchende, einen neuen Arbeitsplatz zu finden, wieder erhöhen werden.

Fazit

Der Abwärtstrend des 1. und 2. Quartals 2023 hat sich im 3. Quartal fortgesetzt. Gegen Ende von Q3 2023 scheint jedoch die Talsohle erreicht zu sein, denn erste Daten für Anfang Oktober weisen auf eine Trendumkehr hin, und zwar sowohl bei den mehr technisch orientierten Internetberufen, wie auch bei den Online Marketing Jobs. Dennoch liegt die Nachfrage nach Fachkräften im Bereich der Internetberufe nach wie vor auf einem viel niedrigeren Niveau als noch im Jahr 2022. Der Online-Boom der Coronajahre 2021 und 2022 scheint vorbei zu sein. Die Pandemie rückt mehr in den Hintergrund, was das Kaufverhalten der Konsumenten dahingehend beeinflusst, wieder mehr vor Ort einzukaufen, statt vorwiegend über das Internet. Dafür beeinflussen hohe Energiepreise, Inflation und das deutliche gestiegene Zinsniveau für Privat- und Unternehmenskredite nicht nur die Konsumenten, sondern auch die Firmen: Dies drückt den Umsatz, sodass weniger Mittel für den Ausbau des Mitarbeiterstammes bleiben. Dass sich seit Ende September/Anfang Oktober eine Trendwende abzeichnet, könnte dem Umstand zu verdanken sein, dass die Energiepreise nicht mehr auf dem extrem hohen Niveau des 1. Halbjahres liegen und den Unternehmen wieder etwas mehr Budget für die Personalbesetzung bleibt.

Im 1. Quartal 2024 werden wir den weiteren Verlauf der Nachfrage auf dem deutschen Stellenmarkt für das 4. Quartal 2023 analysieren und die Ergebnisse vorstellen.

Referenzen

Kategorien: Arbeitsmarkt

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