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Die Nutzung der Apple iCloud

Michael Rohrlich

23.05.2012 10:39 von Michael Rohrlich

Über Nutzen und Güte von Apple-Produkten lässt sich ausgiebig diskutieren. An dieser Stelle soll gar keine Wertung pro oder contra iPhone & Co. abgegeben werden, sondern ein objektiver Blick auf den Datenschutz-Aspekt geworfen werden, und zwar mit besonderem Fokus auf den Datenspeicher-Service von Apple - die sog. iCloud. Dabei handelt es sich um von Apple für seine Kunden bereitgestellten Speicherplatz auf Apple-eigenen Servern - sozusagen eine für die Kunden bereitgestellte, große externe Festplatte. Die nachfolgenden Zeilen gelten analog prinzipiell auch für andere Cloud-Anbieter, allerdings muss im Einzelfall jeweils genau differenziert werden.

In puncto Datenschutz gibt es bisweilen sehr große Unterschiede zwischen den einzelenen Anbietern, wie Amazon, Dropbox, Strato etc. Aber zurück zur iCloud: Sie verdient deshalb besonderes Augenmerk, weil sie inzwischen integrativer Bestandteil der modernen Apple-Produktpalette geworden ist. Mit aktueller Softwareversion können Nutzer von iPod, iPad und auch iPhone mit wenigen Handgriffen ihre Fotos, Musik, Videos, aber auch Kontakte, Termine und eigene Dokumente nicht nur lokal auf ihrem Gerät, sondern dezentral in der iCloud speichern. Hat man einmal die iCloud aktiviert, geschieht der Speicherungs- bzw. Synchronisierungsprozess vom Nutzer fast unbemerkt im Hintergrund. Auf diese Weise lassen sich die eigenen Daten ganz simpel sowohl z.B. auf dem iPhone und auf dem iPad nutzen. Alle vorhandenen Apple-Geräte greifen dann also automatisch auf die gleichen Daten aus der "Wolke" zu, so dass man sie nicht erst umständlich "von Hand" abgleichen muss.

Es lassen sich dann etwa die Lieblingsmusik, die geschossenen Fotos oder auch die erworbenen Apps gleichermaßen auf allen Apple-Geräten nutzen, ohne dass man als Nutzer eingreifen muss. Im Grunde eine praktische Sache, sie hat aus juristischer Sicht jedoch mindestens einen Haken, nämlich in puncto Datenschutz. Ein Blick in die Nutzungsbedingungen von Apples iCloud lassen erahnen, warum man trotz aller Bequemlichkeit zumindest mit privaten, persönlichen Daten zurückhaltend sein sollte:

"Sie erklären sich damit einverstanden, dass Apple, ohne Ihnen gegenüber zu haften, auf Ihre Kontoinformationen und Ihre Inhalte zugreifen, diese nutzen, aufbewahren und/oder an Strafverfolgungsbehörden, andere Behörden und/oder sonstige Dritten weitergeben darf, wenn Apple der Meinung ist, dass dies vernünftigerweise erforderlich oder angemessen ist, wenn dies gesetzlich vorgeschrieben ist oder wenn Apple einen hinreichenden Grund zu der Annahme hat, dass ein solcher Zugriff, eine solche Nutzung, Offenlegung oder Aufbewahrung angemessenerweise notwendig ist..."

Auch als juristischer Laie lassen einen insbesondere die Formulierungen "auf Ihre Kontoinformationen zugreifen" oder auch "anderen Dritten weitergeben" stutzen. Weiter heißt es in den Bedingungen auch noch:

"Apple behält sich jedoch das Recht vor, jederzeit zu überprüfen, ob Inhalte angemessen sind und mit dieser Vereinbarung übereinstimmen, und kann ohne vorherige Ankündigung und in seinem alleinigen Ermessen Inhalte jederzeit vorab sichten, verschieben, ablehnen, modifizieren und/oder entfernen, wenn diese Inhalte diese Vereinbarung verletzen oder in sonstiger Weise anstößig sind."

Apple kann also die in der iCloud gespeicherten Inhalte kontrollieren, auch wenn es vornehmlich um die Aufdeckung etwaiger Rechtsverstöße geht. Allein diese Klauseln sollten alle Nutzer von Apple-Produkten nachdenklich werden lassen. Zudem gilt es noch zu bedenken, dass alle gespeicherten Daten nicht etwa auf deutschen oder europäischen Servern, sondern auf Servern in den USA gespeichert werden, wo das datenschutzerechtliche Niveau nicht so hoch ist wie hierzulande.

Im Hinblick auf andere Cloud-Anbieter muss außerdem die Frage erlaubt sein, was mit den Nutzer-Daten passiert, wenn der Anbieter pleite geht. Aufgrund seiner wirtschaftlichen Stärke ist Apple davon wohl weit entfernt, ein gewisses Risiko besteht dennoch.

Praxistipp: Alle Apple- bzw. Cloud-Nutzer sollten sich einmal selbst hinterfragen, ob sie überhaupt einen Cloud-Dienst brauchen bzw. wenn ja, welche Daten sie im Einzelnen in die "unsichere Wolke" verschieben möchten.

Kategorien: Online-Recht

Kommentare

  • Martin

    Vielen Dank für die nützlichen Infos!

    rund 7 Jahren

  • Christian Schröder

    Hallo,

    ein sehr interessanter Artikel. Auf der der einen Seite ist die Idee ja nicht schlecht mit der Icloud, aber ich persönlich benutze die Icloud nicht und gebe meine Daten aus Faulheit
    willkürlich preis.

    MfG

    Chris

    über 6 Jahren

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