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WE-Arbeitsmarktanalyse-Update-Q3: Nachfrage nach Internetspezialisten zieht nach starkem Einbruch wieder an

Robert von Heeren

22.09.2020 15:30 von Robert von Heeren

Update der Arbeitsmarktanalyse 2020 des Webmasters Europe e.V. für das 3. Quartal
Bild: Shutterstock - Sira Anamwong

Webmasters Europe e.V. (WE) führt jährlich eine Arbeitsmarktanalyse durch, um Trends auf dem deutschen Arbeitsmarkt für Internetspezialisten zu ermitteln. Wir untersuchen, wie viele Stellenangebote für Internet-Experten verschiedener Fachrichtungen es gibt und wie häufig welche Technologien bzw. Kompetenzen (Skills) in Stellenanzeigen nachgefragt werden.

Die von WE im Juli 2020 veröffentlichte jährliche Arbeitsmarktanalyse 2020 zeigte, wie gravierend sich die Corona-Pandemie auf den Stellenmarkt auswirkt. Um die Entwicklung auf den deutschen Stellenmarkt engmaschiger zu beobachten, erfassen wir seitdem die Daten für diese Arbeitsmarktanalyse bis auf weiteres nicht mehr nur jährlich, sondern auch monatlich, so dass wir hiermit unser erstes Quartals-Update der WE-Arbeitsmarktanalyse präsentieren können. Die Methodik unserer Datenerhebung und Analyse ändern sich dabei nicht.

In diesem Quartals-Update fokussieren wir uns auf die Entwicklung im Bereich der von uns untersuchten Job Roles – wie üblich getrennt nach den beiden Bereichen der mehr technisch ausgerichteten Internetberufe und den Online-Marketing-Berufsbildern. Detaillierte Analysen im Bereich der Anforderungsprofile (Skillsets) je Job Role werden wir weiterhin nur in der jährlichen Arbeitsmarktanalyse durchführen.

Allgemeine Situation am deutschen Arbeits- und Stellenmarkt

Rückblick auf das 2. Quartal 2020 inkl. Vergleich zum Vorjahr:

Im Vergleich zum Vorjahr hatte sich die Zahl der Stellenangebote im 2. Quartal 2020 stark verringert. Wir stellten für die untersuchten Job Roles und Skillsets Rückgänge von rund 80 % fest. Die im Frühjahr 2020 bei der Arbeitsagentur eingegangen Anzeigen für konjunkturelle Kurzarbeit überstiegen die Werte der Rezession des Jahres 2009 fast um das Fünffache: »Alleine in den beiden Monaten März und April, die vom Lockdown am stärksten betroffen waren, haben Betriebe für 10,7 Millionen Menschen Kurzarbeit aus konjunkturellen Gründen angezeigt. Im Mai kamen dann nochmal 1.140.000 Personen hinzu.«[1] Diese Situation schlägt sich auf die Stellenausschreibung und Stellenbesetzung der Betriebe nieder, »denn der Bestand offener Stellen sinkt weiter, auch wenn die Rückgänge geringer werden«, wie die IAB in ihrer Einschätzung zur wirtschaftlichen Lage im Juli anmerkte.[2]

Über alle Branchen hinweg war der Einbruch der Zahlen im April, also dem Monat nach Beginn des Corona-Lockdowns, am stärksten: Während der Gesamtbestand an verfügbaren Stellen im April nur zu rund 9 % abnahm, wurden rund 52 % weniger neue Arbeitsstellen als im Vormonat gemeldet. Im Vergleich zum Vorjahr waren es sogar rund 59 % weniger Zugänge bei neuen Stellen. Im Mai und im Juni stieg die Zahl neuer Stellenangebote auf niedrigem Niveau wieder leicht an.

Die aktuelle Situation im 3. Quartal 2020:

Wie die nachfolgende Grafik der Arbeitsagentur zeigt, ist in den Monaten Mai – August 2020 eine Trendwende auf dem deutschen Arbeitsmarkt erkennbar: Vor allem der Zugang an gemeldeten Arbeitsstellen hat seit Mai 2020 mit ca. 50.000 Stellenausschreibungen wieder deutlich zugenommen. Auch beim Bestand der gemeldeten Stellen ist – zeitverzögert seit August 2020 – ein leichter Aufwärtstrend erkennbar.

WE-Arbeitsmarktanalyse 2020 - Update Q3: Zahlen der Arbeitsagentur der arbeitslos gemeldeten von Januar 2019 bis August 2020
Abb. 1: Zahlen der Arbeitsagentur der arbeitslos gemeldeten von Januar 2019 bis August 2020

Allerdings zeigen die folgenden Daten der Arbeitsagentur für das 3. Quartal [1], dass sowohl die Bestands- wie auch Zugangs-Zahlen noch mit über 25 % weit unter dem Vorjahresniveau liegen – eine nachhaltige Erholung auf dem deutschen Stellenmarkt ist also trotz Umkehr des Abwärtstrends noch nicht in Sicht.

WE-Arbeitsmarktanalyse 2020 - Update Q3: Erhebung der Arbeitsagentur „Arbeitsmarkt im Kontext von Corona“
Abb. 2: Erhebung der Arbeitsagentur »Arbeitsmarkt im Kontext von Corona«

Ergebnisse für »Job Roles« (bundesweit, Suche nur im Titel der Stellenanzeigen)

Wie haben auch dieses Mal in unserer Analyse den Arbeitsmarkt für Internet-Fachkräfte eingehend analysiert. Dabei betrachten wir die mehr technisch orientierten Internetberufe und die Online-Marketing-Berufe getrennt. Wir beobachten hierbei laufend die Zahl der Stellenausschreibungen von insgesamt 40 Berufsbildern (»Job Roles«) und 134 Fachkompetenzen (»Skillsets«) – wobei wir uns in diesem Update ausschließlich auf die Job-Role-Nachfrage konzentrieren.

Wie die nachfolgende Grafik zeigt, nahm im Frühjahr 2020 die Anzahl an Stellenausschreibungen in den von uns untersuchten Job Roles im Vergleich zum Vorjahr drastisch ab. Seitdem begann auf dem deutschen Stellenmarkt eine beispiellose Talfahrt. Erst ab August 2020 wird langsam eine Aufwärtsbewegung und leichte Erholung sichtbar: Von August zu September 2020 betrug der Anstieg über alle 40 Job Roles hinweg 61 % (Linie »Gesamt«).

WE-Arbeitsmarktanalyse 2020 - Update Q3: Anzahl der Stellenausschreibungen nach Job-Role-Bereichen
Abb. 3: Verlauf der Anzahl an Stellenausschreibungen nach Job-Role-Bereichen

Dieser Anstieg verteilt sich mit wenigen Ausnahmen auf fast alle Job Roles, wie sich in Abb. 4 deutlich zeigt:

WE-Arbeitsmarktanalyse 2020 - Update Q3: Job-Roles-Vergleich (Auszüge) im Bereich der mehr technisch orientierten Internetberufe
Abb. 4: Job-Roles-Vergleich (Auszüge) im Bereich der mehr technisch orientierten Internetberufe

Nachdem im Mai 2020 der Rückgang an Stellenausschreibungen für Web-Entwickler um -90 % gegenüber dem Vorjahr besonders drastisch ausfiel, sehen wir in den Folgemonaten bis einschließlich Mitte September 2020 eine kontinuierliche Zunahme. Die Veränderung von August zu September betrug hier +35 %. Auch bei der Nachfrage nach PHP-Entwicklern hat sich die Situation im September mit einem Plus von 31 % gegenüber dem Vormonat wieder etwas aufgehellt. Bei den Javascript-Entwicklern gab es im Juli und August 2020 einen Tiefpunkt, der jetzt mit einem Plus von 60 % zumindest vorerst überwunden scheint. Ähnlich ist die Situation bei der Nachfrage nach Scrum Mastern und App-Entwicklern. Ein im Verhältnis betrachtet besonders großen Sprung nach oben verzeichnen wir in der Nachfrage nach Webdesignern: Die Anzahl diesbezüglicher Stellenausschreibungen stieg von August auf September um +105 % an. Insgesamt sehen wir in diesem Job-Role-Bereich also einen durchweg positiven Trend.

Die Situation im Online-Marketing-Bereich

Im Bereich Online Marketing sehen wir sogar ein noch stärkeres Wachstum (Abb. 5):

WE-Arbeitsmarktanalyse 2020 - Update Q3: Job-Roles-Vergleich (Auszüge) im Bereich der Online Marketing Berufe
Abb. 5: Job-Roles-Vergleich (Auszüge) im Bereich Online Marketing

Die größten Zuwächse stellen wir bei den ohnehin schon immer am häufigsten nachgefragten Berufsbildern: Online Marketing Manager (+73 %), Social Media Manager (+100 %), SEO Manager (+79 %), SEA Manager (+46 %) und Content Marketing Manager (+145 %) sind im Vergleich zum Vormonat derzeit (Stand 15. September 2020) allesamt deutlich nachgefragter. Einzig beim Community Manager ging die Anzahl an Stellenausschreibungen um 45 % zurück. Dies könnte daran liegen, dass Community Manager a) in der Vergangenheit vor allem Foren und Gruppen betreut haben, welche immer mehr von Social Media Plattformen verdrängt werden, sodass b) mehr die Erfahrung und Kompetenz des Social Media Managers gefragt ist – die Aufgaben des Community Managers also immer mehr in dem Berufsbild des Social Media Managers aufgehen. Ansonsten zeigt sich auch bei den Berufsbildern des Web Analysten und Content Redakteurs jeweils eine deutliche Zunahme um +71 % (Web Analyst) und beim Content Redakteur sogar um +157 %.

Fazit:

Im Vergleich zu den in Abb. 4 erwähnten Bereich der technisch orientierten Internetberufe, scheint derzeit eine Verlagerung des Schwerpunktes innerhalb des Stellenmarktes in Richtung des Bereiches der Online Marketing Berufe stattzufinden. Während das Verhältnis der Anzahl der von uns untersuchten Job Roles in den beiden Bereichen in den Monaten Mai 2020 bis August 2020 relativ ausgewogen war, gibt es im September um den Faktor 1,3 mehr Stellenausschreibungen im Bereich Online Marketing als im Bereich der technisch orientierten Internetberufe (siehe Abb. 3 - blaue Linie).

Offensichtlich setzen momentan viele Unternehmen vor allem auf die Ausweitung des Online Marketings und steigern ihre diesbezüglichen Marketing- und Vertriebsaktivitäten, um besser durch die Krise zu kommen und das Geschäft wieder anzukurbeln. Andererseits gibt es beispielsweise besonders in Branchen des Online-Handels und Ecommerce Profiteure der Krise, woraus sich offensichtlich auch ein erhöhter Bedarf an qualifiziertem Personal ergibt. Ob dies so bleibt oder sich dieser Trend evtl. sogar noch fortsetzt, werden wir in den nächsten Monaten beobachten und in einem weiteren Update Ende des nächsten Quartals darüber berichten.

Referenzen

  1. https://statistik.arbeitsagentur.de/Navigation/Statistik/Statistik-nach-Themen/Corona/Corona-Nav.html, Bundesagentur für Arbeit, Statistik/Arbeitsmarktberichterstattung, Berichte: Arbeitsmarkt kompakt – Auswirkungen der Corona-Krise, Nürnberg, Juni 2020.
  2. http://www.iab.de/infoplattform/Stellenerhebung_ip

Kategorien: Infos aus dem Verband

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